| Home | |
|
Copyright © Uwe Rau Die Geschichte der Laura von Uwe Rau (Hinweis: unterstrichene Texte verweisen auf externe Links!) Die Städte und Gemeinden des Weimarer Kreises kämpften gegen Ende des 19. Jahrhunderts für einen Bahnanschluss, um an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung besser teilhaben zu können. Infolge zahlreicher Aktivitäten entstand am 20.12.1880 ein Komitee, welches die Interessen der betroffenen Gemeinden vertrat und in Verhandlung mit dem Gemeinderat Weimar trat. Ein nachdrücklicher Befürworter einer Eisenbahnverbindung ins Weimarer Land war der Baron von Helldorff, ein Gutsbesitzer aus Schwerstedt. Nachdem der Gemeinderat neben anderen Vorschlägen, dem Bahnprojekt Weimar-Rastenberg -(Großrudestedt) zugestimmt hatte, mussten Wege der Finanzierung gesucht werden. Das Großherzogtum Sachsen-Weimar war wohl an einer „Secundairbahn“, nicht aber an deren Finanzierung interessiert. Eigentümer und Betreiber wurde die am 29.3.1886 gegründete „Weimar-Rastenberger Eisenbahn-Gesellschaft“ als Aktiengesellschaft mit Sitz in Weimar. Neben der Stadt Rastenberg und der großherzoglichen Regierung, war die Dresdner Bank der größte und später sogar fast alleinige Hauptaktionär. Am 1.4.1886 wurde von der Regierung des Großherzogtums Sachsen-Weimar die Konzession für den Bahnbau und Betrieb erteilt. Die WRE war eine private schmalspurige Sekundärbahn und wurde gemäß dem „Gesetz für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung vom 12.6.1878“ als meterspurige Eisenbahn gebaut und betrieben. Der Zugbetrieb wurde am 26.6.1887 für den Personenverkehr und am 29.8.1887 für den Güterverkehr auf diesen Strecken eröffnet: Weimar – Buttelstedt (14,62 km) und Buttelstedt – Großrudestedt (19,63 km) durchgehend und Buttelstedt – Rastenberg (16,79 km) ebenfalls von Weimar nach Rastenberg durchgehend. Am 18.11.1891 wurde der Zugverkehr von Mannstedt nach Buttstädt (2,83 km) aufgenommen. Anfangs versahen fünf Nassdampf-Dreikuppler von Hartmann (Baujahr 1886) den Dienst. Da sich die Maschinen bewährten, wurde 1888 und 1891 jeweils eine weiter Maschine beschafft. Das wirtschaftliche Umfeld war von Anbeginn schwach, auch fanden nach dem Bahnbau keine nennenswerten Gewerbeansiedlungen statt. Einer der wenigen größeren Bahnkunden war die Ziegelei in Buttelstedt. Das Güteraufkommen war so gering, das es genügte, die Güterwagen in Personenzüge einzustellen (Pmg). Lediglich zur Erntezeit waren regelmäßig reine Güterzüge mit Rüben und Getreide oder anderen Produkten im Einsatz. Auch die Ziegelei hatte große Mengen an Rohstoffen und Produkten zu transportieren. Ein Hemmnis blieb aber der teuere und zeitaufwendige Güterumschlag in Weimar oder Großrudestedt. Ein Rollbockbetrieb scheiterte am schwachen Oberbau und der schlechten Finanzlage. Der erhoffte Aufschwung blieb somit aus. Als die Bahn die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllte, wurde sie am 1.4.1898 an den Berliner Bahnunternehmer Herrmann Bachstein für einen Spottpreis verkauft. Bachsteins Eisenbahnunternehmen, die „Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein“, war bereits seit 1897 Betriebsführer der Sekundärbahn und seit dem Bahnbau ein wichtiger Geldgeber. Herrmann Bachstein wurde am 15.4.1834 in Apolda geboren. Als Angestellter des Berliner Eisenbahnunternehmers Strousberg sammelte er bereits frühzeitig Erfahrungen beim Bau und der Finanzierung von Eisenbahnen. Die Gotha-Ohrdruffer Eisenbahn war Bachsteins erstes Projekt auf thüringischem Territorium. Am 19.1.1875 erhielt er den Auftrag zum Bau dieser Bahn als eigenständiger Unternehmer. 1878/79 gründet er sein eigenes Eisenbahnunternehmen, die „Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein GmbH“ (CV) mit Sitz in Berlin. Nach dem Tode Herrmann Bachsteins am 4.2.1908 übernahm sein Sohn, Herrmann Bachsteins junior die Geschäfte. Die CV besaß zahlreiche Kleinbahnen in den deutschen Kleinstaaten und war das seinerzeit größte deutsche Privatbahnunternehmen. Alle thüringer Bachstein-Bahnen (u.a. Esperstedt-Oldislebener Kleinbahn, Kleinbahn Wutha-Ruhla und Weimar-Berka-Blankenhainer Eisenbahn) waren der Betriebsabteilung Thüringen mit Sitz in Weimar unterstellt. Als wirtschaftliche Folge des ersten Weltkrieges erwog Bachstein zunächst die Stilllegung der WRE. Proteste und eine Ablehnung seitens der Staatsregierung Weimar verhinderten dies aber. Bachstein verhandelte daraufhin mit neuen Bahnkunden und baute die Buttstädt-Rastenberger Eisenbahn um in das lukrative Kaligeschäft einzusteigen. Am 30.5.1910 wurde die regelspurige Strecke für den Personenverkehr eröffnet und machte die Schmalspurbahn nach Buttstädt überflüssig. Die Stichstrecke von Mannstedt nach Buttstädt wurde daraufhin im Oktober 1910 stillgelegt. Nachdem eine finanzielle Beteiligung der Gemeinden nicht zustande kam, legte Bachstein am 17.6.1923, auch den WRE-Streckenzweig nach Rastenberg still. Unter der Oberhoheit der CV entstand 1923 aufgrund der allgemein schlechten Finanzlage, die Thüringer Eisenbahn Aktiengesellschaft (Theag). Mit dieser Kapitalgesellschaft wurde die Betriebsführung zentralisiert und vereinfacht. Beispielsweise wurde der Werkstättendienst für alle Bachstein-Bahnen nach Weimar in die neue Zentralwerkstatt am Berkaer Bahnhof verlegt. Mit der Theag schienen die unrentablen Bahnen unter der Bachstein-Regie zunächst gerettet zu sein, denn gewinnbringende Bahnen, wie die Weimar-Berka-Blankenhainer Eisenbahn (WBBlE) glichen die Verluste aus. Ab 1923 firmierte die Bahn als „Weimar-(Buttelstedt-)Großrudestedter Eisenbahn“ (WGE). Alle größeren Reparaturen und Fristen wurden nun nicht mehr in Buttelstedt, sondern in der Theag-Zentralwerkstatt (Foto) in Weimar durchgeführt. Bachstein erhöhte auch die Frachttarife; erzielte damit aber nicht den erhofften Aufschwung. Die Kunden brachten ihre Ware einfach zur nächstliegenden Staatsbahnstation. Zudem machte der Kraftverkehr dem Bahnunternehmen zunehmend Konkurrenz. Den Bahnbetrieb verbesserten ab 1925/26 freigewordene SHE-Mallet-Lokomotiven und ab 1934 ein fabrikneuer Triebwagen WGE T06 aus Dessau. 1939 wurde von der SHE noch ein stärkerer Benzoltriebwagen (WGE T07) an die WGE zeitweilig abgegeben. 1943 plante Bachsteins CV im Auftrag der nationalsozialistischen Machthaber die Anschlussbahn zum KZ Buchenwald und den Gustloff-Werken und übernahm auch die Betriebsführung. Nach dem Einzug der amerikanischen Truppen im April 1945 wurde der Betrieb auf der Schmalspurbahn vorübergehend eingestellt. Das Theag-Vermögen wurde beschlagnahmt und es wurde beratschlagt, wie der Weiterbetrieb ermöglicht werden konnte. Zwar sollte das gesamte Gleismaterial und die Fahrzeuge der WGE abtransportiert werden, jedoch konnte man die Verkehrsleistungen zunächst nicht auf den Kraftverkehr übertragen, da es an Lkws, Bussen und Kraftstoff mangelte. So blieb der „Laura“ noch bis April 1946 ein Gnadenbrot. Man kam mit dem Kreisrat Weimar überein, wenigstens die Buchenwaldstrecke für den wichtigen Abtransport von landwirtschaftlichen Produkten und für den Personenverkehr zu erhalten. Nach der Stilllegung der Anschlussbahn und der Schmalspurbahn, wurde nach Verhandlungen vom 11.11.1946 bis zum 3.10.1953 ein Personenverkehr zwischen Weimar-Nord und Großobringen durchgeführt. Auch der Rübentransport konnte so nach Einstellung der Schmalspurbahn sichergestellt werden. Betreiber der knapp 11 km langen Strecke war zunächst die Hauptverwaltung Landeseigener Betriebe, Thüringische Eisenbahn AG – Weimar, ein aus der Theag hervorgegangenes Unternehmen. Erst am 1.4.1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Restbetrieb bis zur entgültigen Gesamtstilllegung des öffentlichen Verkehrs am 3.10.1953. In den sechziger Jahren wurde die Strecke nur noch für Rangierfahrten benutzt. Um einen Anschlussbetrieb in Weimar Nord weiterhin zu ermöglichen, wurden die Gleise 1968/69 bis kurz vor der Dürrebachbrücke abgebaut. Mit der "Wende" 1989 landeten auch Pläne für einen großflächigen Industrieanschluss in Weimar-Nord für immer in den Schubladen. 1995 endete der Anschlussbetrieb nach Weimar-Nord endgültig und die Gleise wurden abgebaut. Text: Uwe Rau / Literatur: "Die Laura, Die Buchenwaldbahn", Fromm/Rockstuhl, B.Langensalza, 2005 |
Weimar-Rastenberger Eisenbahn – Weimar-Buttelstedt- Großrudesteder Eisenbahn
Bahnhof Guthmannshausen mit WRE-Empfangsgebäude (Slg. U.Rau).
|
| Home |